Aktuell

Zusammenleben braucht Begegnungsorte

Förderung
Foyer Theater Basel

Diesen Mai findet im Foyer Public des Theater Basels die Konferenz «Dritte Orte» statt. Sie fragt, wie Dritte Orte gelingen und bringt dazu Perspektiven aus Theater, Museen, Bibliotheken und soziokulturellen Zentren zusammen mit Stimmen aus Verwaltung, Stadtplanung, Architektur und Zivilgesellschaft. Die SKKG unterstützt die interdisziplinäre Veranstaltung – und lernt dadurch für ihre eigene Arbeit. 

«Kultur für alle – Zusammenleben neu denken». CAMPO, der neue Stiftungssitz der SKKG, wird zum Ort, wo wir diese Vision ab 2030 einlösen. CAMPO wird sowohl Erster Ort (mit 70 Wohnungen), Zweiter Ort (wo all unsere Mitarbeiter:innen ihre Büros und unsere Sammlung ihre Bleibe findet) und auch Dritter Ort, ein «Zuhause ausserhalb der eigenen vier Wände» – fürs Quartier, für unsere Community und für alle, die sich mit Kulturerbe auseinandersetzen möchten.

Bis CAMPO bezugsbereit ist, wollen wir von anderen lernen, wie das funktionieren kann. Deshalb engagieren wir uns in Projekten, die unterschiedliche Facetten von «Dritten Orten» erproben und weiterdenken. Aber was ist das eigentlich, ein «Dritter Ort»?

Ein zweites Zuhause

«Dritte Orte» sind Räume, die weder dem Zuhause noch dem Arbeitsplatz angehören. Sie liegen irgendwo dazwischen und entfalten eine besondere soziale Qualität. Der Soziologe Ray Oldenburg beschreibt sie als ein «home away from home», ein zweites Zuhause ausserhalb der eigenen vier Wände. Es sind Orte, an denen Menschen ohne grosse Hürden zusammenkommen, sich austauschen, verweilen und Teil einer Gemeinschaft werden können.

Sie funktionieren als neutrale Treffpunkte, die Angebote machen, Freiräume bieten und nicht an Konsumzwang gebunden sind. Vielmehr werden sie durch Offenheit, Zugänglichkeit und eine einladende Atmosphäre geprägt. In solchen Räumen soll die soziale Durchmischung gefördert werden, Gespräche entwickeln sich spontan, und kulturelle wie gesellschaftliche Teilhabe wird niedrigschwellig möglich. 

Foyer Theater Basel

Fotos © Ingo Höhn

Von anderen für CAMPO lernen

Die Abteilung Förderung der SKKG hat in den letzten Jahren im Programm #Wagnis vielfältige Projekte unterstützt, die Elemente von Dritten Orten erproben, entwickeln und evaluieren. Die sechs folgenden Beispiele inspirieren uns zum Weiterdenken an unserem eigenen Dritten Ort. 

Vom Ortsmuseum Schlieren beispielsweise haben wir gelernt, wie partizipative Prozesse ein Museum in einen lebendigen Begegnungsraum verwandeln können. Die Ausstellung «Heimat 2.0» und das «Living Room Museum» zeigen, wie Communities aktiv eingebunden werden und wie ein niederschwelliger Raum entsteht, der historische Inhalte mit der Vielfalt der Gegenwart verbindet.  

Das Toggenburger Museum zeigt uns, wie räumliche Öffnung und institutionelle Kooperation neue Aufenthalts- und Lernorte schaffen. Die entstehende Open Library, die gemeinsam mit der Städtli-Bibliothek betrieben wird, lässt das Museum durch geteilte Räume, erweiterte Öffnungszeiten und barrierefreie Zugänge zu selbstverständlichen Bestandteilen des Alltags werden.  

Im Neuen Museum Biel durften wir miterleben, wie partizipative Sammlungspraxis und offene Werkstätten ein Museum zu einem Ort machen, an dem Menschen nicht nur konsumieren, sondern mitgestalten. Der geplante «Dritte Ort» im Haus Neuhaus – frei zugänglich, vielseitig nutzbar und dialogorientiert – bietet wertvolle Einblicke in die Verbindung von Alltagskultur, Stadtgesellschaft und Museumsarbeit.  

Das Museumsquartier Bern ist der eindrückliche Beweis dafür, wie mehrere Institutionen gemeinsam einen öffentlichen Raum beleben können. Die koordinierten Nutzungen des Museumsgartens und anderer Aussenräume machen sichtbar, wie Kulturinstitutionen als Netzwerk wirken und Nachbarschaften aktiv einbeziehen.  

Plateforme 10 in Lausanne wiederum inspiriert uns durch seine konsequente Verbindung von Museumsquartier, urbanem Lebensraum und kultureller Vielfalt. Der Ort zeigt, wie ein Kulturareal gleichzeitig Forum, Treffpunkt und attraktives Stadtquartier sein kann – mit offenen Zugängen, Gastronomie, Aufenthaltsqualität und einem breiten Publikum.  

Das Regionalmuseum Gantrisch schliesslich wagt mit seinem geplanten autonomen Betrieb einen innovativen Schritt: ein Museum, das fast jederzeit zugänglich ist und damit radikal niederschwellige Teilhabe ermöglicht. Dieses Experiment eröffnet neue Perspektiven auf Vertrauen, Selbstbedienungskonzepte und die Rolle von Museen im Alltag. 

Konferenz Dritte Orte in Basel

Die Konferenz «Dritte Orte» findet am 5. und 6. Mai 2026 statt und wird vom Theater Basel organisiert. Die SKKG unterstützt mit Geld, aber auch mit Know-how. Andreas Geis, Leiter Förderung, und Theresa Gehringer, Projektleiterin Förderung, denken im Think Tank inhaltlich mit und gestalten gemeinsam mit Elisabeth Roos von der Initiative #VertrauenMachtWirkung eine Break-out Session zum Thema «Förderkonsortien für Dritte Orte». 

Die Zusammenkunft verspricht praxisnahe Vorträge, internationale Fallbeispiele, Austauschformate und Rundgänge. Networking mit Entscheidungsträger:innen und Gestalter:innen kultureller Räume geben Impulse für neue Zugänge, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt.  

Das detaillierte Programm und Möglichkeiten zur Anmeldung findet ihr auf der Website der Konferenz. 

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