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Kunst auf Zeit

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Ilustration Sehenswert

Ab Januar können Winterthurer:innen mit einer Mitgliederkarte der Winterthurer Bibliothek Kunstwerke aus dem städtischen Kunstinventar und aus der Sammlung der SKKG ausleihen. Rund 70 Gemälde, Fotografien, Zeichnungen und Druckgrafiken stehen für eine dreimonatige Ausleihe zur Verfügung. In dieser Artothek werden ab März 2026 auch zehn Werke aus der Sammlung der SKKG zu finden sein.  

Zur Artothek

Die Artothek ist eine Kooperation der Winterthurer Bibliotheken, des Amts für Kultur der Stadt Winterthur und der SKKG. Am 15. Januar wurde das Projekt offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt mit einem Gespräch zwischen den Projektverantwortlichen: Tanja Scartazzini, Leiterin Amt für Kultur; Andres Betschart, Leiter Sammlung Winterthur; Franziska Baetcke, Leiterin Bibliotheken; und Severin Rüegg, Leiter Sammlung bei der SKKG. 

Die Artothek versteht sich als Werkzeug kultureller Teilhabe und als Experimentierfeld für die Frage, wie Sammlungen in die Gesellschaft hineinwirken können, wenn sie sichtbar, lebendig und mit einer breiten Bevölkerung geteilt werden. Artotheken eröffnen im Idealfall neue Wege, kulturellen Besitz sinnvoll zu nutzen und sie leisten einen Beitrag zu aktuellen Diskussionen über Nachhaltigkeit, Zugang und der gesellschaftlichen Relevanz von Sammlungen. 

«Die meisten Werke wurden nicht fürs Museum gemacht, sondern für die Nutzung in privaten Wohnräumen.»

Domingo Ramos, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Sammlung bei der SKKG, hat die Werke aus der Stiftungssammlung für die Artothek mit ausgewählt. Im Gespräch erklärt er, wie die ersten zehn Werke der SKKG in die Artothek gekommen sind.

Nach welchen Kriterien wählt ihr aus der Sammlung diejenigen Werke aus, die über die Artothek ausgeliehen werden können?

Sie soll die Vielfalt und Breite der Sammlung aufzeigen, mit ihren verschiedenen Kunstrichtungen. Sie soll also repräsentativ für unsere Sammlung sein, gleichzeitig aber möglichst viele ansprechen – die Leute hängen sich diese Werke ja zu Hause ins Wohnzimmer. 

Die Auswahl der ersten zehn Werke deckt verschiedene Motive und Techniken ab – von Öl über Scherenschnitt bis zur Radierung. Ist sie damit repräsentativ für die Sammlung der SKKG?

Jein. Die erste Auswahl zeigt zwar eine technische und kunsthistorische Vielfalt, spiegelt die Sammlung aber nicht eins zu eins. Bereiche, die in der Sammlung stark vertreten sind – Kriegs- und Historienbilder oder Akte –, lassen wir bewusst weg. Auch dass fünf der zehn ausgewählten Werke von Künstlerinnen sind, darf eher als Statement gelesen werden: in der Sammlung selbst gibt es viel mehr Arbeiten von Künstlern. Die erste Auswahl ist ein Stück weit ein Testlauf. Am Ende sollen rund 40 unserer Werke in der Artothek verfügbar sein, und dabei versuchen wir, möglichst ausbalanciert verschiedene Aspekte hineinzubringen.

Bei mehreren Tausend Sammlungswerken hört sich das noch immer nach einer riesigen Auswahl an. Wie geht ihr da vor?

Diese Zahl schrumpft schnell, weil viele Werke aus konservatorischer Sicht wegfallen. Alles, was sich in schlechtem Zustand befindet, eine aufwändige Restaurierung bräuchte oder Schadstoffe enthält. Leider betrifft das einige Werke. Dazu kommt die Herkunft: Werke, bei denen die Urheberschaft beziehungsweise die Provenienz ungeklärt ist, schliesse ich eher aus. Auch Grösse und Gewicht sind entscheidend: Die Werke sollen unkompliziert gehandhabt und transportiert werden können. Was übrig bleibt, filtere ich nach weiteren, vor allem inhaltlichen Kriterien über unsere Sammlungsdatenbank. Bevor ich dann ein Werk mit dem Team anschaue, hole ich es selbst hervor, um es zu prüfen, denn die Fotografien täuschen manchmal. Danach entscheiden wir gemeinsam, ob es in die Artothek darf. 

Ausser Bildern, die man sich an die Wand hängen kann, gibt es in der Sammlung der SKKG auch viele andere Objekte. Könnten auch diese für ein breites Publikum zugänglich gemacht werden – und wenn ja, wie?

Wir spielen durchaus mit der Idee, Objekte wieder in ihrem ursprünglichen Nutzungszweck zu verwenden: Dass beispielsweise eine Jugendstil-Vase nicht nur ausgestellt werden darf, sondern dass man Blumen hineinstellen kann, wie das ursprünglich vorgesehen war. Die meisten Werke der Sammlung sind ja nicht für den Museumskontext gemacht worden, sondern für die Nutzung in privaten Wohnräumen. Wenn wir sie aber unangetastet bewahren müssen, verhindern wir letztlich genau diesen ursprünglichen Zweck. Denkbar wäre, im Rahmen einer Sammlungsüberprüfung einen bestimmten Bestand als Gebrauchssammlung zu definieren. Das sind aber vorerst Ideen, die noch diskutiert werden. Denn dahinter steckt ein Spannungsfeld: Kulturerbe soll für alle da sein – gleichzeitig wollen und müssen wir es für kommende Generationen bewahren.