Ein Känguru reist durch die Zeit
Ein Känguru reist durch die Zeit

Zwei Klassen der Sekundarschule Wallrüti haben sich von Objekten der SKKG-Sammlung zu eigenen Erzählungen inspirieren lassen. Dabei entstanden ein turbulentes Reiseabenteuer und dreizehn Kurzgeschichten.
«Es war einmal ein Känguru in Winterthur, das hiess Patata und wohnte in einem automatischen Schulhaus.»
Was passiert, wenn Jugendliche sich mit unserer Sammlung beschäftigen? Ein Schreibprojekt machte sich unsere Sammlungsobjekte zunutze; nicht als Bestand, der verwaltet wird, sondern als Material, mit dem sich arbeiten und Neues erfinden lässt.
«Es war einmal ein Känguru in Winterthur, das hiess Patata und wohnte in einem automatischen Schulhaus. (…) Im Keller des Technorama stand in einer dunklen Ecke eine alte Zeitmaschine, die nicht mehr funktionierte. Niemand wusste, wie man sie reparierte. Patata hatte eine Idee: Er warf die magischen 10 Rappen ein und gab der Maschine einen Känguru-Kick. Und sprang hinein.»
(…) Die Zeitmaschine transportierte sie mitten in den Dschungel, dort stand ein kleines Haus. Die Türe war offen. Eine alte Frau sagte zu ihnen: «Kommt, wir trinken einen Tee.» Alle setzten sich. Die Frau ging in die Küche. In der Stube hatte die Frau einen bemalten Kachelofen, der fast bis zur Decke reichte, und die Wand war blau. Karotti, der grösser war als alle anderen, schaute aber hinter den Kachelofen, sah dort etwas funkeln …
Die alte Frau hatte das Diadem gut versteckt. Es klopfte an der Türe und ein Bote kam. Die alte Frau übergab ihm das Diadem in einem grossen Brot. Auf der anderen Seite des Hauses gab es eine Allee, die zu einem Palast führte, dort wartete der König, der setzte der Königin das Diadem auf und sagte: «Jetzt bist du meine mexikanische Königin.» (…)
Beim Diadem handelt es sich um den «Schmuck der Kaiserin von Mexiko», ein goldenes Schmuckstück mit grünen Smaragden, das einst Kaiserin Charlotte von Mexiko gehörte.

Über Reichtum, Krieg und Waffengewalt
Die 3Ca hat sich in dreizehn einzelnen Geschichten unter dem Titel «Tage der Todesfälle» einem anderen Teil der Sammlung zugewandt. Waffen kommen in den Kurzgeschichten und Szenen genauso häufig vor wie im Bestand der SKKG, und mit ihnen die Frage, was Krisen, Kriege und Gewalt mit Menschen machen. Erion Beka thematisiert in seiner Geschichte zwei Steinschlosspistolen (um 1660):

«Es waren einmal zwei Pistolen im dunklen Keller mit überall Spinnen auf dem Boden, da war mein Versteck. Das ging so: Ich ging an einem Tag im Sudan durch den Wald spazieren, weil mir langweilig war, und ich hörte Musik.»
Es waren einmal zwei Pistolen im dunklen Keller mit überall Spinnen auf dem Boden, da war mein Versteck. Das ging so: Ich ging an einem Tag im Sudan durch den Wald spazieren, weil mir langweilig war, und ich hörte Musik. Plötzlich entdeckte ich zwei dunkle, goldige Pistolen auf dem Boden. Ich versteckte die Pistolen in meiner Jacke und nahm sie mit nach Hause. (…)
Ich und Jublani gehen zum geheimen Bunker, da wir den König ausschalten müssen. Wir kommen am Bunker an und Jublani ist erstaunt. Der ganze Bunker ist voll mit mystischen Waffen. Wir rüsten uns voll aus und machen uns auf den Weg zum Palast, weil der Prinz dort ist. Wir müssen den Prinzen töten, da sein Heer Krieg führt. Ich schleichte mich hinter dem Thron an und versuche, den Prinzen abzulenken. Da erschiesst Jublani den Prinzen und es hört auf mit dem Krieg. Jublani und ich haben den Sudan gerettet.
« Auch Yosra und Nihan waren im Museum gewesen. Sie hatten viele Bilder, Schuhe und Kleider gesehen und den Lippenstift.»
Auch andere Objekte fanden Eingang in die Geschichten, etwa der Lippenstifthalter aus einem «Toilettenset» (um 1900), den Fatima Zahraa Touili so beschreibt:
(…) Auch Yosra und Nihan waren im Museum gewesen. Sie hatten viele Bilder, Schuhe und Kleider gesehen und den Lippenstift. Dieser war sehr goldig und silbrig, mit vielen Blumen drauf, einfach wow. Yosra und Nihan hatten sich sofort verliebt und standen sicher 10 Minuten davor und betrachteten das schöne Objekt. Der Lippenstift kostete mehr als die Miete von zuhause, bei Allah! (…)

Vom Sammeln übers Aufbewahren zum Weiterverwenden: Zwei Schulklassen haben Objekten neues Leben eingehaucht, die sonst im Depot bleiben, und sie in einen Kontext gestellt, der auch von den Herausforderungen der Gegenwart handelt.